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Testamente sicher verwahren

Wer zu Lebzeiten seinen letzten Willen durch ein Testament regelt, möchte zugleich auch sicherstellen, dass dieses gut verwahrt wird. Jedoch nützt das beste Testament nichts, wenn es nach dem Tod des Erblassers nicht oder erst nach Jahren, wenn der Nachlass längst auseinandergesetzt ist, gefunden wird.

Nicht selten werden Testamente in Bankschließfächern verwahrt, weil der Erblasser der Auffassung ist, dass es dort sicher liegt. Wenn jedoch niemand von dem Testament im Bankschließfach weiß, wird das Nachlassgericht letztlich dem gesetzlichen Erben einen Erbschein erteilen und dieser würde dann erst danach Zugang zu dem Bankschließfach erhalten. Aber auch wenn der in der letztwilligen Verfügung bestimmte Erbe von dem Testament im Bankschließfach Kenntnis hat, ist er häufig gehindert, dieses im Bankschließfach befindliche Originaltestament dem Nachlassgericht vorzulegen. Denn an das Bankschließfach gelangt der Erbe regelmäßig nur mit Erbschein. Zur Erlangung eines Erbscheines benötigt der testamentarische Erbe wiederum das Testament. Darüber hinaus treten häufiger Fälle auf, in denen das Testament zwar tatsächlich gefunden wird, jedoch von den falschen Personen. Findet beispielsweise der potentielle gesetzliche Erbe das Testament, durch welches dieser enterbt wird, besteht durchaus das Risiko, dass das aufgefundene Testament nicht - wie gesetzlich vorgeschrieben - beim Nachlassgericht abgeliefert, sondern vernichtet wird.

Umso wichtiger ist es daher, dass Testamente sicher verwahrt werden. Als sicherste Alternative kommt die amtliche Verwahrung in Betracht. Notarielle Testamente und Erbverträge werden vom Notar nach den Bestimmungen des Beurkundungsgesetzes automatisch in amtliche Verwahrung gegeben, falls bei der Errichtung nichts Abweichendes bestimmt wurde. Eigenhändige Testamente können jederzeit in die amtliche Verwahrung des Nachlassgerichtes - eine Abteilung des örtlichen Amtsgerichtes - gegeben werden. Hierfür wird ein Hinterlegungsschein ausgestellt. Die Kosten hierfür betragen einmalig 75,00 € sowie 15,00 € bzw. 18,00 € für die Registrierung in einem Zentralregister. Stirbt der Verfasser des Testamentes, wird dies vom Geburtsstandesamt automatisch dem Nachlassgericht mitgeteilt, welches dann das Testament eröffnet und die Erben und andere darin berücksichtigte Personen benachrichtigt.

Alternativ ist selbstverständlich auch eine Verwahrung in den eigenen vier Wänden oder in einem Bankschließfach möglich. Dabei sollte allerdings sichergestellt werden, dass nicht die Möglichkeit besteht, dass das Testament im Nachhinein „verloren geht“ oder nicht aufgefunden wird. Es sollte daher ein sicherer Aufbewahrungsort (z. B. abschließbare Schreibtischschublade, Safe) gewählt und eine Vertrauensperson darüber informiert werden, wo das Testament aufbewahrt wird, damit diese das Testament im Todesfall auffinden und beim Nachlassgericht abliefern kann. Sollte das Testament in einem Bankschließfach deponiert werden, sollte gleichfalls sichergestellt werden, dass eine Vertrauensperson im Sterbefall Zugriff auf das Schließfach hat, beispielsweise durch Vollmacht für den Todesfall.

Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der letzte Wille tatsächlich auch berücksichtigt wird.
 

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Anja Sommer 

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